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Abwassermanagement in Durban und Bremen - ein Vergleich

zusammengestellt von hanseWasser

Die Ethekwini Water and Sanitation (EWS) in Durban betreibt rund 270 Abwasserpumpstationen für Schmutzwasser. Regenwasserpumpstationen gibt es in Durban nicht. Allerdings kann Regenwasserfluss in Durban sehr hoch sein, so dass das Regenwasser in freiliegenden Oberflächenabflusskanälen abfließt.
In der Stadt Durban haben die Pumpstationen eine vergleichbare technische Ausstattung und ähnliche Standards wie in Bremen. Aufgrund des Alters der Pumpstationen ist eine breite Palette von technischen Ausführungen anzutreffen. Für erhebliche wirtschaftliche Verluste sorgen Vandalismus und Diebstahl.
Die statische Förderhöhe ist in Durban wegen der hügeligen Landschaft höher als in Bremen. Dadurch muss die Verwendung von Umformern mit regelbarer Frequenz in Durban genau überprüft werden. In Bremen kommen auch Pumpwerke mit einer hohen dynamischen Förderhöhe zum Einsatz, so dass variable Frequenzumformer dafür sorgen, den Stromverbrauch zu reduzieren.
In Durban sind die meisten Pumpstationen mit einem zentralen Kontrollraum über ein Telemetriesystem verbunden. Auf diese Weise können die Prozessdaten archiviert werden. In neuen oder kürzlich renovierten Pumpstationen ist spezielle Messtechnik für den Energieverbrauch installiert. In Zukunft werden diese Messdaten in einer zentralen Datenbank integriert werden. So kann die Datenbank verwendet werden, um die Energieeffizienz der Pumpstationen zu analysieren.

Softstarter für Pumpen und Trockenwetterpumpen (Jockey-Pumpen) werden in neue oder kürzlich renovierte Pumpstationen implementiert. Das führt zu einer Reduzierung des Energieverbrauchs.
Im Vergleich zu Bremen kommen bei EWS mehr Mitarbeiter für den Betrieb der Pumpstationen zum Einsatz. Das bedeutet, dass mehr Vor-Ort- Inspektionen der Pumpen vorgenommen werden. Dies kann zur Bestimmung des Vor-Ort- Status der Pumpen (ob die Fließgeschwindigkeit und die Pumpenleistung während der Prüfung in einem guten Zustand sind) genutzt werden. Hat der Maschinenwärter Informationen über abgenutzt Pumpen, kann er reagieren, beispielsweise durch den Kauf neuer Laufräder für die Pumpen, die den Energieverbrauch der Pumpstation reduzieren.

Die EWS-Kläranlagen sind mit allen Behandlungsstufen ausgestattet, die auch in Bremen eingesetzt werden, mit Ausnahme der Produktion von Energie aus Faulgas. Dieses Energiepotenzial ist bei allen Anlagen mit einem Nachgärer vorhanden, aber Kraft-Wärme-Kopplung ist eine nicht üblicherweise eingesetzte Technik in Südafrika. Ein Grund ist die Notwendigkeit, die Anforderungen der Stromnetzbetreiber für Netzstabilität zu erfüllen. Dennoch birgt KWK ein großes Potential der Energieerzeugung für Durban.

Der größte Unterschied in der implementierten Prozesstechnologie zwischen Bremen und Durban ist die Belüftung der biologischen Reinigungsstufe. In Bremen wird dies durch feinblasige Belüftung umgesetzt, unter Verwendung von Turbokompressoren. In Durban kommt eine Oberflächenbelüftung zum Einsatz. Oberflächenbelüftung ist eine stabile, aber normalerweise Energie-ineffiziente Verfahrenstechnik. Belebungsbecken mit einer mittleren Tiefe von mindestens 4 Metern können mit feinblasiger Belüftung ausgestattet werden. Abgesehen davon, muss die Menge an gelöstem Sauerstoff präzise und genau gesteuert und regelmäßig kontrolliert werden.

Ein weiterer Unterschied ist der Automatisierungsgrad. Bremer Kläranlagen sind fast vollständig automatisiert Das reduziert Lohnkosten und erhöht die Prozessstabilität. An den Standorten in Durban sind viel mehr Mitarbeiter tätig. Als Ergebnis des entstehenden Automatisierungsgrades, wird die Datenbasis für eine detaillierte Energieverbrauchsbilanz der Kläranlagen jetzt erst aufgebaut. Trotzdem macht die Verwendung weitgehend akzeptierter spezifischer Werte und das Sammeln der Nettoleistung und der Betriebsstunden aller Motoren, die im Einsatz sind, eine Energieanalyse der Kläranlage möglich.